Pflanzung der Agroforststreifen am offengelegten Tauchnitzgraben

Ein einzigartiger Forschungs- und Demonstrationsstandort in der Praxis ist entstanden

Das Team von IfaS, LIGNOVIS und Agrargenossenschaft Böhlitz am 26. März 2026 vor der beladenen Pflanzmaschine. (Foto: Frank Wagener/IfaS)

Die erste wertvolle Gewässerrenaturierung am Tauchnitzgraben in der Gemeinde Lossatal zeigt, wie die Europäische Wasserrahmenrichtlinie (EU-WRRL) in Ackerbauregionen kooperativ umgesetzt werden kann. Denn hier arbeiten Kommunen, LandwirtInnen, PlanerInnen, Wasserwirtschaft, Energiewirtschaft, FlächenbesitzerInnen und Naturschutz Hand in Hand an einer praxisgerechten Lösung: Das Ergebnis führt die Offenlegung und naturnahe Entwicklung des ehemals verrohrten Tauchnitzgrabens mit der flankierenden Nutzung der Agroforststreifen in einem neuem Renaturierungskonzept zusammen.

Im letzten Jahr wurde bereits das benachbarte ca. 70 ha große Agroforstsystem der Böhlitzer Agrar e.G. gepflanzt, welches hervorragend angewachsen ist. Nach der erfolgten Offenlegung und Renaturierung des Gewässers im Herbst/Winter 2025/26, wurden am 26.03.2026 nun die gewässerbegleitenden Agrarholzstreifen angelegt. Diese Kombination ist einmalig in Deutschland und soll nun Schule machen. Deshalb ist der Standort als Forschungs- und Demonstrationsstandort in AGROfloW (AFaktive Schwesterprojekt) ausgewiesen.

Kultur und Landschaft gehören zusammen

Die Botschaft ist eindeutig, Kultur und Landschaft gehören zusammen, und zwar so, wie es seit Jahrhunderten gelebt wird: Agroforstkulturen flankieren den Bach, werden nachhaltig genutzt und schützen das Gewässer. Zusätzlich bieten diese Nahrung und Schutz für eine Vielzahl an Tieren und Insekten. Als lokaler Biotopverbund unterstützt diese offengelegte „Lebensader“ mit der Vielfalt seiner Gehölze die Nutzung durch z.B. Wildkatzen und Fledermäuse. Diese Kulturlandschaftsentwicklung kann nun untersucht und mit dem Ertrag gemeinsam ausgewertet werden, denn wer weiß schon, dass Renaturierung und Energiebereitstellung diese Kooperation erst möglich gemacht haben. Beides gehört zusammen und ist Teil einer gelingenden Kulturlandschaftsentwicklung, die alle Beteiligten in einem guten Kompromiss zusammenführt.

Es wurden insgesamt 17 verschiedene Edellaubgehölze entsprechend der potenziell natürlichen Vegetation (darunter u.a. Schwarz-Erle, Traubenkirsche, Flatter-Ulme und Berg-Ahorn), gemeinsam mit drei verschiedenen Hybrid-Pappelsorten in unterschiedlichen Pflanzformationen gepflanzt. Also insgesamt 2.380 Gehölze in 20 verschieden Arten und Sorten, die uns nun in der Forschung Aufschluss über deren Wuchsverhalten und Vergesellschaftung bringen werden.

Von der Idee zur kooperativen Umsetzung

Entwickelt wurde das Renaturierungskonzept im Rahmen der Projekte WERTvoll und ElmaR I-III. Wir bedanken uns bei allen Beteiligten und Förderern, die diese Arbeit unterstützt und erledigt haben. Ein besonderer Dank gilt den KollegInnen von Stowasserplan GmbH & Co. KG, die gemeinsam mit dem IfaS das Konzept kreativ und praxisnah entwickelt, geplant und umgesetzt, sowie seit 2017 die Idee einer kooperativen Umsetzung der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie mit den Landwirten, Kommunen und örtlichen Unternehmen gemeinsam vorangetrieben haben. Eine Pionierarbeit, die endlich wieder Kulturlandschaften mit ihren Werten und Nutzenden verbindet und Lösungen als bestmöglichen Kompromiss entwirft.

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