Pflanzung von Sachsens größtem Agroforstsystem im Wurzener Land

An der Grenze der Gemeinden Thallwitz & Lossatal im Landkreis Leipzig wurde in der Woche vom 24. März 2025 auf den Flächen der Agrargenossenschaft e.G. Böhlitz, auf 77 ha Ackerfläche Sachsens größtes Agroforstsystem gepflanzt. Diese hat im Rahmen vom AFaktive-Schwesterprojekt AGROfloW stattgefunden.

Zum gemeinsamen Spatenstich am 26. März waren Vertreterinnen und Vertreter des Sächsischen Staatsministeriums für Umwelt und Landwirtschaft, des Landesamtes für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie und des Landkreises Leipzig vor Ort, um dieses bedeutende Praxisprojekt zu unterstützen. Das Agroforstsystem, das in Zusammenarbeit mit der Wurzener Land-Werke GmbH umgesetzt wurde, soll nicht nur die landwirtschaftliche Produktion stärken und Energieholz für die Region bereitstellen, sondern auch als Modell- & Demonstrationsstandort für Praxis und Wissenschaft dienen.

„Das Projekt zeigt beispielhaft, wie moderne Landwirtschaft, Klimaschutz und wirtschaftliche Nachhaltigkeit Hand in Hand gehen können. Agroforstsysteme sind eine zukunftsweisende Methode, um unsere Agrarlandschaft zu stärken“, betont Gerald Lehne, 1. Beigeordneter des Landkreises Leipzig.

System & Gehölzvielfalt

Auf 17 ha Fläche, aufgeteilt auf 10 Gehölzstreifen à 18 m (der letzte nördlich gelegene Streifen hat 11 m) Breite wurden insgesamt 26.110 Pappeln in sechs Sorten sowie 3.029 Edellaubgehölze in die Erde gebracht. Als Edellaubgehölze wurden Wildkirsche, Stiel- und Traubeneiche, Elsbeere, Esskastanie, Baumhasel, Winterlinde, Spitzahorn und Walnuss gepflanzt. Diese sind immer in der mittleren von jeweils fünf Gehölzreihen im Streifen angeordnet. Mit einem Abstand von 60 m zwischen den Baumstreifen bleibt ausreichend Platz, um den Acker weiterhin mit den vorhandenen Maschinen effizient zu bewirtschaften.

Die Kosten für die Anlage und Etablierungspflege des Agroforstsystems belaufen sich auf rund 100.000 Euro.

Von der Idee zur Umsetzung: Agroforstprojekt bringt Landwirte und Partner zusammen

Die Idee und Initiative zum Agroforst in der Region entstand bereits vor einigen Jahren im Rahmen des vom BMBF geförderten Projekts „WERTvoll“. Die Umsetzung erfolgte nun im Projekt „AGROfloW“ (gefördert vom BMEL). Neben der Klärung rechtlicher Fragen, galt es, eine Vielzahl an Akteuren mit ins Boot zu holen, so z.B. die 15 Flächeneigentümer, auf die der Ackerschlag entfällt.

Dabei entwickelte sich eine enge Partnerschaft zwischen der Agrargenossenschaft e. G. Böhlitz, dem Institut für angewandtes Stoffstrommanagement (IfaS) und der Wurzener Land-Werke GmbH. Letztere ist Teil des EU-Förderprogramms „ZENAPA“, über das die finanziellen Mittel für das Vorhaben bereitgestellt werden.

„Als sich im vergangenen Jahr die Chance ergab, Sachsens größtes Agroforstsystem im Wurzener Land zu realisieren, war ich sofort dabei“, erinnert sich Stefanie Kleine, Geschäftsführerin der Wurzener Land-Werke GmbH „Unser Vorhaben ist nicht nur ein Gewinn für Umwelt und Landwirtschaft, sondern auch eine kluge Investition in die regionale Wertschöpfung. Wir nutzen die Flächen effizient, produzieren nachwachsende Rohstoffe und schaffen eine nachhaltige Wärmeversorgung.“

Die Bäume werden jährlich über 300.000 kg CO2 binden und damit einen zusätzlichen Beitrag zum Klimaschutz leisten. Bereits in etwa sechs Jahren kann die erste Ernte erfolgen: Die Pappeln werden dann zu Hackschnitzeln verarbeitet und als Brennstoff in der Wärmeversorgung dienen – genug, um 1.700 Haushalte zu versorgen.

Andreas Lau, Geschäftsführer der Agrargenossenschaft e. G. Böhlitz, ergänzt: „Neue Wege sind notwendig, um in der Landwirtschaft zukunftsfähig zu bleiben. Das Agroforstsystem ist unser Ansatz, um den aktuellen Herausforderungen aktiv zu begegnen.“

Die Partnerschaft zwischen der Agrargenossenschaft e. G. Böhlitz und der Wurzener Land-Werke GmbH ist langfristig angelegt und betont die Bedeutung gemeinschaftlichen Engagements für die Umwelt. Dies wurde besonders deutlich durch die jüngsten Projektpartner.

Tatkräftige Unterstützung durch die Ringelnatz-Grundschule Wurzen

Eine Schulklasse der Ringelnatz-Grundschule Wurzen war eingeladen, bei der Anpflanzung selbst Hand anzulegen. Mit großer Freude pflanzten die Schülerinnen und Schüler die kleinen Setzlinge und erfuhren allerlei Wissenswertes über Agroforst. Ein Schüler rief begeistert: „Ich komme in ein paar Jahren wieder und suche meinen Baum!“

Der MDR SACHSENSPIELGEL war ebenfalls bei der Anpflanzung vor Ort und hat einen Videobeitrag veröffentlicht.

Nach oben scrollen