Vom 22. bis 26. Juni 2026 trafen sich mehr als 400 Agroforst-Fachleute in Neuchâtel (Schweiz) zur 8. Konferenz der European Agroforestry Federation (EURAF). Die Veranstaltung brachte Teilnehmende aus vielen verschiedenen Fachbereichen zusammen. Dies spiegelt den multidisziplinären Charakter moderner Agroforstsysteme wider, die eine Brücke zwischen Agrar-, Umwelt- und Sozialwissenschaften sowie der praktischen Landbewirtschaftung und der EU-Agrarpolitik schlagen.
Für das Institut für Angewandtes Stoffstrommanagement (IfaS) nahmen Dr. Martina Mayus und Jörg Böhmer teil und stellten die laufenden Projekte EU-LIFE AFaktive, FNR AGROfloW und FNR MODEMA vor. Das AFaktive-Team – darunter die Projektpartner vom Flämischen Forschungsinstitut für Landwirtschaft, Fischerei und Ernährung (ILVO) und vom Institut für Ländliche Strukturforschung (IfLS) – veranstaltete gemeinsam mit Experten der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg und der Hochschule für angewandte Wissenschaften Weihenstephan-Triesdorf zudem einen Workshop zum Thema Agroforstwirtschaft und Wassermanagement.


Neben Keynotes und Workshops in den Veranstaltungsräumen fanden zahlreiche Exkursionen zu Agroforststandorten statt. Generell zeigten die Veranstaltungen, dass die Auswirkungen von Agroforstsystemen in hohem Maße standort- und designspezifisch sind. Daher ist insbesondere für gemäßigte Regionen noch weiterer Forschungsbedarf erforderlich, um tiefere Einblicke in die zugrunde liegenden ökologischen Prozesse zu gewinnen, wie beispielsweise die Konkurrenz um Wasser und Nährstoffe sowie deren (Um-)Verteilung, die Auswirkungen auf das Mikroklima und die Biodiversität sowie die Wasserdynamik. Glücklicherweise werden zunehmend Modelle eingesetzt, um diese Wissenslücken zu schließen und Zukunftsszenarien zu bewerten. Gleichzeitig verbessern kontinuierliche methodische Weiterentwicklungen deren Genauigkeit und Anwendbarkeit. Die Verfügbarkeit von Daten aus Drohnenerhebungen, Telemetrie, Open-Source-Daten und spezialisierten Datenbanken beschleunigt diesen Prozess zusätzlich.
Viele der bekannten Vorteile der Agroforstwirtschaft im Zusammenhang mit der Eindämmung des Klimawandels und der Anpassung an dessen Folgen, wie beispielsweise ein verringerter Oberflächenabfluss, entfalten jedoch ihre größte Wirkung, wenn sie auf regionaler oder landschaftlicher Ebene umgesetzt werden. Daher konzentrieren sich immer mehr Projekte darauf, Agroforstsysteme zu skalieren und ihre Auswirkungen auf größeren räumlichen Ebenen zu bewerten. In diesem Zusammenhang hat das IfaS-Team die folgenden zentralen Herausforderungen und Forschungsbedürfnisse für die Zukunft identifiziert:
1.) Verbesserung unseres Verständnisses der Vorteile, die Bäume in Agrarlandschaften bieten können, und Ermittlung geeigneter Baumarten, die unter sich ändernden klimatischen Bedingungen und bei unterschiedlichen Produktionszielen gute Leistungen erbringen;
2.) Stärkung der Marktentwicklung und der Wertschöpfungsketten für Agroforstprodukte, um eine breitere Akzeptanz bei den Landwirtinnen und Landwirten zu fördern;
3.) Etablierung standardisierter Monitoring- und Forschungsprotokolle für Feldstudien, um die Vergleichbarkeit der Daten zu verbessern und systematischere Bewertungen über Standorte und Regionen hinweg zu ermöglichen.
Klar ist, dass Agroforstwirtschaft und Wassermanagement auch in den kommenden Jahren zentrale Themen bleiben werden. Zwar wurden bereits bedeutende Fortschritte erzielt und die Forschungsbemühungen werden weiter ausgebaut, doch sind weitere Anstrengungen erforderlich, um die Auswirkungen auf die Erträge besser zu verstehen, die Bewertungen der wirtschaftlichen Tragfähigkeit zu verbessern und den Aufbau robuster Wertschöpfungsketten für Agroforstprodukte zu unterstützen.
Das AFaktive-Team kehrte mit wunderschönen Erinnerungen aus der Schweiz nach Hause zurück: atemberaubende Landschaften, innovative Betriebe, die hervorragende Agroforstprodukte erzeugen, und ein engagiertes Organisationsteam, das sich mit großer Leidenschaft der Gastfreundschaft verschrieben hat. Allerdings warf die Veranstaltung auch einen Schatten – oder besser gesagt: Es fehlte an ausreichend Schatten. Bei Temperaturen von fast 40 Grad wurde sehr deutlich, dass wir bei der großflächigen Umsetzung der Agroforstwirtschaft dringend Fortschritte erzielen müssen.


