Agroforst-Feldtag Süd-Sachsen-Anhalt zieht zahlreiche Besucher an

Die Arbeitsgruppe Geoökologie an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, der Deutsche Verband für Landschaftspflege (DVL) und das Institut für angewandtes Stoffstrommanagement (IfaS) haben am 18. März 2026 einen Workshop und Feldtag zu den Potenzialen der Agroforstwirtschaft für die Region Süd-Sachsen-Anhalt durchgeführt. Mit inhaltlichen Beiträgen aus den Projekten DiP SMART Agroforst, DiP FaiReSyst, LIFE AFaktive, AGROfloW und MODEMA lag der Schwerpunkt der Veranstaltung auf einer klimaresilienten Landschaftsgestaltung mit Agroforst, agronomischen Themen sowie der Frage, welche Verwertungsmöglichkeiten für Holz aus der Agroforstwirtschaft vielversprechend sind. Abgerundet wurde der Tag durch den Besuch eines existierenden Agroforst-Systems auf einer Fläche in der Gemeinde Plotha des Praxispartners „Uherek Agrarservice GmbH“. An der Veranstaltung nahmen rund einhundert Akteure aus Landwirtschaft, Politik und Verwaltung, Forschung und Entwicklung sowie Industrie und Gewerbe an der Veranstaltung teil.

© ACKER filmproduktion

Nach einer Begrüßung durch Jan Lukas Wenzel, wissenschaftlicher Koordinator des Projektes DiP SMART Agroforst, wurden im Rahmen verschiedener Impulsvorträge aus den beteiligten Projekten Informationen zu laufenden Forschungsarbeiten, wie z.B. dem Wassermanagement mit Agroforst, ökologischen Vorteilswirkungen und Herausforderungen bei der Umsetzung, Erntetechnik und Wirtschaftlichkeit sowie Praxiserfahrungen bei der energetischen Verwertung vorgestellt.

Im Anschluss an den Vortragsteil folgte eine Podiumsdiskussion zum Thema „Wohin mit dem Holz?“. Moderator Stefan Zwoll von der Deutschen Landwirtschaftsgesellschaft (DLG) fragte die Teilnehmenden nach der Motivation, sich mit dem Thema Agroforst zu befassen, nach ökonomischen Perspektiven und Erfolgsfaktoren:

  • Landwirt Stefan Uherek erläuterte seine Motivation, sich mit dem Thema Agroforst zu beschäftigen. Er stellte klar, dass die Landwirtschaft sich an den Klimawandel anpassen muss und ein „so einfach weiter“ aufgrund der erlebten Dürrejahre keine tragfähige Option ist, um „das, was wir hier über Generationen aufgebaut haben, zu erhalten“. Außerdem berichtete er von Starkregenereignissen, die immer wieder zu Überschwemmungen im Ort geführt hatten. Zugleich stellte er fest, dass der Betrieb noch auf der Suche nach Abnehmern, Partnern und Möglichkeiten für eine profitable für die Verwertung des Holzes ist.
  • Die Geschäftsführerin der Wurzener Landwerke, Stefanie Kleine, erläuterte das kooperative Geschäftsmodell zwischen den Landwerken, den beteiligten Kommunen und der regionalen Landwirtschaft. Gemeinsam gelingt es mit dem bislang größten Agroforstsystem Sachsens, das im Frühjahr 2025 gepflanzt wurde, die Erbringung wichtiger Ökosystemleistungen für die Bevölkerung, die Energie im Dorf und Wertschöpfung für die Landwirtschaft auf einer Fläche zu verbinden. „Unsere Bürgerinnen und Bürger wissen, dass wir über regionale Wertschöpfung reden, stabile Preise, Dienstleistungen vor Ort, Unabhängigkeit. Und das kommt gut an – die Leute freuen sich, wenn sie an diesem Feld vorbeifahren“ resümierte sie.
  • In diesem Kontext wies Prof. Dr. Matthias Zscheile von der Technischen Hochschule Rosenheim darauf hin, dass eine erhebliche Deckungslücke bei der Holzversorgung in Deutschland und Europa besteht und auch weiter wächst. Trotz seines beruflichen Hintergrunds in der stofflichen Holzverwertung betonte er, keine Konkurrenzdebatte zwischen stofflicher und energetischer Verwertung aufmachen zu wollen. Es gehe eher darum, dass die „schlechteren Qualitäten“ in der Energie landen, die besseren aber in der stofflichen Nutzung. Eine Herausforderung für Agroforstsysteme und die Verwertung im großen Stil sah er in der Logistik, zugleich aber auch viele neue Verwertungsmöglichkeiten.
  • Dem pflichtete auch Dr. Klaus Krüger von der Gesellschaft zur Förderung von Medizin, Bio- und Umwelttechnologie (GMBU) Halle bei. Es gebe, auch in der Pappel, zahlreiche wertgebende Inhaltsstoffe – neben Zellulose und Lignin unter anderem auch pharmazeutisch interessante Substanzen, für die sich neue Verwertungskonzepte in der Entwicklung befinden. Wenn man „weg von den erdölbasierten Rohstoffen hin zu den nachwachsenden Rohstoffen“ wolle, sollte es auch darum gehen, das Holz und die vielfältigen Inhaltsstoffe möglichst vollständig zu verwerten. Für Start-Ups mit spezialisierten Produkten seien manchmal auch kleinteilige Holzmengen interessant.
  • Ein Teilnehmer warf die Frage auf, inwiefern die stoffliche Nutzung nicht Priorität vor einer energetischen Verwertung von Holz haben sollte. Jörg Böhmer vom IfaS merkte hierzu an, dass Energie und stoffliche Nutzung kein Widerspruch sind und Agroforstsysteme mit schnellwachsenden Baumarten eine hohe Flexibilität bei der Nutzung ermöglichen.

Die Diskussion mit allen Details wurde vom Team der Firma Ackerfilm aufgezeichnet und wird demnächst auf den Seiten der beteiligten Projekte zur Verfügung gestellt.

Nach dem Mittagessen ging es dann bei bestem Wetter zu einer Feldbesichtigung beim lokal ansässigen Agrarbetrieb Uherek. Stefan Uherek, der den Betrieb gemeinsam mit seinem Sohn Florian Uherek führt, stellte zum Auftakt nochmal einige grundlegende Informationen zur Fläche vor. An insgesamt 6 Stationen im Feld wurden dann vielfältige Informationen, u.a. zur Pflanztechnik, Wasserrückhalt und Bodenfruchtbarkeit im Agroforst vorgestellt.

Die beteiligten Forschungs- und Entwicklungsvorhaben bieten für die Region Süd-Sachsen-Anhalt hervorragende Möglichkeiten, das Thema Agroforst für mehr Klimaanpassung, Rohstoffsicherheit, regionale Wertschöpfung und Bioökonomie zu nutzen:

  • Der Betrieb Uherek ist ein wichtiger Pionier für die Region und hat seit 2021 wertvolle Erfahrungen für die weitere Verbreitung von Agroforstsystemen gesammelt.
  • Stefanie Kleine lud bereits am Vormittag dazu ein, die gemeinsamen Aktivitäten der Wurzener Landwerke und der Böhlitzer Agrargenossenschaft auf einer der kommenden Veranstaltungen kennenzulernen. Mehr Feldtage Böhlitz werden geplant. Über die Webseite oder Social Media (AFaktive bzw. LUCA at IfaS) auf dem Laufenden bleiben.
  • Interessierte Akteure aus der Landwirtschaft, der Energiewirtschaft, den Landkreisen und Kommunen sowie der Industrie sind herzlich eingeladen, ihre Bedürfnisse, Ideen und Initiativen für eine solche Entwicklung mit den Teams der beteiligten Projekte zu teilen, um das Thema praktisch voranzutreiben.

Jörg Böhmer

Phone: +49 (0) 6782 17 – 2626

Mail: j.boehmer@umwelt-campus.de

Jan Lukas Wenzel

Phone: +49 345/55-26038

Mail: jan.wenzel@geo.uni-halle.de

Am Ende des Tages waren sich die meisten Teilnehmenden einig: Agroforstsysteme haben viel Potenzial für Landwirtschaft, Gesellschaft und Bioökonomie. Und es gibt noch viel zu tun, um diese Potenziale vollumfänglich zu erschließen.

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